Eingabe löschen

Kopfbereich

Hauptnavigation

Gesundheit

Qualität in der Ergotherapie: Was wird gemessen?

Eine ZHAW-Studie hat untersucht, welche Indikatoren in verschiedenen Ländern genutzt werden, um die Qualität ergotherapeutischer Leistungen zu bewerten. Die Ergebnisse zeigen, dass die in der Schweiz eingesetzte Goal Attainment Scale (GAS) eine sinnvolle Wahl ist – insbesondere, weil sie die Ziele der Klient:innen einbezieht.

Leistungen im Schweizer Gesundheitswesen müssen gemäss Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) «wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich» sein. Daher verpflichtet das KVG die Verbände der Versicherungen und der Leistungserbringenden, gemeinsame Qualitätsverträge auszuhandeln. Seit 2009 gibt es entsprechende Qualitätsvereinbarungen zwischen dem Ergotherapie-Verband Schweiz (EVS) und den Krankenversicherern. Im Zusammenhang mit der Erneuerung dieser Verträge gab der EVS 2023 eine Studie in Auftrag, um Qualitätsindikatoren zu vergleichen, die in verschiedenen Ländern gegenüber Kostenträgern verwendet werden.

Von Funktionsverbesserungen bis Steigerung der Zufriedenheit

Die Studie unter der Leitung von Thomas Ballmer, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der ZHAW-Forschungsstelle Ergotherapie, fokussierte auf europäische und englischsprachige Länder. Ihre Analyse zeigt grosse Unterschiede zwischen den Qualitätsindikatoren auf. So werden in Ländern wie den USA, Kanada und England eher «funktionale» Indikatoren eingesetzt, die etwa die Veränderung körperlicher Funktionen oder die Ausführung alltäglicher Aufgaben messen. Dahingegen kommen sowohl in der Schweiz als auch in den Niederlanden klientenzentrierte Vorgehen zum Einsatz. In den Niederlanden erfassen Klient:innen mittels des Fragebogens «PRO-Ergo» zum Teil selbst ihre Zufriedenheit mit verschiedenen Aspekten der Therapie. Und mit der «Goal Attainment Scale» (GAS) vergleichen Ergotherapeut:innen in der Schweiz die Ergebnisse der Behandlung gemessen an individuellen Behandlungszielen, die sie mit den Klient:innen vereinbart haben. 

Vor- und Nachteile verschiedener Tools

Thomas Ballmer betont, dass alle Indikatoren unterschiedliche Vor- und Nachteile haben: «Funktionale Ergebnisindikatoren liefern leicht verständliche Daten, sind aber nicht für alle Patient:innen oder Gesundheitszustände geeignet. GAS hingegen ist klientenzentriert und flexibel. Es erlaubt, Behandlungsergebnisse sowohl auf der Ebene der Körperfunktionen als auch der Aktivität und Partizipation zu erfassen. Dafür sind Ergebnisse individuell und lassen sich deshalb weniger leicht vergleichen.»

Goal Attainment Scale wird in der Schweiz weitergeführt

Die positive Einordnung unterstützt den Entscheid des Ergotherapie-Verbands im Rahmen der Qualitätsverträge weiterhin GAS einzusetzen. Der Verband informierte seine Mitglieder Anfang 2025 darüber, dass die Erhebung der Ergebnisqualität mittels GAS über eine neue IT-Plattform wieder aufgenommen wird. Über diese Plattform erfassen alle selbstständig tätigen Ergotherapeut:innen sowie ergotherapeutische Institutionen jährlich fünf Klient:innen-Fälle. Ende Jahr werden verschiedene Ergebnisse der ganzen Gruppe statistisch beschrieben und mit den Versicherern diskutiert.

Mitbestimmen, was gemessen wird

Mit steigenden Gesundheitskosten nimmt die Bedeutung von Qualitätsmessungen auch künftig zu. Andrea Petrig, die als Vertreterin des EVS an der Studie mitgewirkt hat, ist daher überzeugt: «Es ist wichtig, dass sich Gesundheitsfachleute wie Ergotherapeut:innen selbst mit Qualitätsindikatoren befassen. Sonst besteht die Gefahr, dass Interventionen begünstigt werden, die am einfachsten messbar sind, anstelle derjenigen, für die Klient:innen den höchsten Nutzen haben.»