Zukunft säen: Berglandwirtschaft zwischen Tradition und Wandel
Die Masterarbeit von Fabienne Buchmann, Double-Degree-Absolventin der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und der ZHAW sowie Wissenschaftliche Assistentin in der Forschungsgruppe Geography of Food, untersucht die Zukunftsperspektiven des Pflanzenbaus für die menschliche Ernährung im deutschsprachigen Ostalpenraum.
Die Analyse basiert auf dem Driving Forces Framework, in welchem ökonomische, technische, natürliche & räumliche, soziale & kulturelle sowie institutionelle Treiber betrachtet werden. In Interviews mit Landwirt:innen und Expert:innen aus Graubünden, Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Südtirol wurden unter anderem folgende Driving Forces identifiziert:
- Wissen & Tradition: Regionales Anbauwissen schwindet, während das Interesse an standortangepassten Kulturen wächst.
- Wirtschaft & Infrastruktur: Fehlende Verarbeitungsstrukturen und hohe Produktionskosten schränken die wirtschaftliche Tragfähigkeit ein.
- Agrarpolitik & Förderung: Der Fokus auf die extensive Viehwirtschaft und Gunstlagen schafft strukturelle Nachteile.
- Klimawandel: Steigende Temperaturen ermöglichen neue Kulturen, aber Wetterextreme erschweren Planung und Anbau.
- Technologische Entwicklung: Es fehlen angepasste Maschinen und Sorten für Bergregionen.
Trotz dieser Herausforderungen wird deutlich, dass der Pflanzenbau zur regionalen Wertschöpfung, Diversifizierung und Resilienz beitragen kann – sofern gezielte Massnahmen ergriffen werden. So sollte die intrinsische Motivation der Landwirt:innen gezielt gestärkt und durch extrinsische Anreize gefördert werden. Der Ausbau von regionalen Netzwerken, sowie die engere Verzahnung von Forschung, Beratung und Praxis können dabei helfen, die Kooperation und den Wissenstransfer zu gewährleisten. Zudem ist die Nutzung von Retroinnovationen, sprich das Übertragen von traditionellen (Anbau)Methoden auf moderne Anforderungen, eine weitere Möglichkeit, den Herausforderungen zu begegnen. Nicht zuletzt müssen auch die regionalen Wertschöpfungsketten weiterentwickelt und die Förderpolitik angepasst werden, um finanzielle Anreize für den Pflanzenbau im Berggebiet schaffen.
Die Masterarbeit zeigt, dass gezielte strukturelle Anpassungen den Pflanzenbau für menschliche Ernährung im Berggebiet wirtschaftlich tragfähiger machen und seine Rolle in regionalen Ernährungssystemen stärken könnten.
Mehr Informationen zum Master und zum Double Degree in Umwelt und natürliche Ressourcen: https://www.zhaw.ch/de/lsfm/studium/master/umwelt-und-natuerliche-ressourcen
Ähnliche Projekte: Innovationszentrum Berglandwirtschaft (IZB), Gran Alpin & Regiokorn